Gelesen: Dörte Hansen „Altes Land“


Literatur / Samstag, März 2nd, 2019

Ich lese nicht häufig Bestseller. Und mit diesem bin ich auch noch 3 Jahre zu spät dran. Ich habe Dörte Hansens „Altes Land“ zu Weihnachten bekommen. Der Roman handelt von zwei Frauen, die ins Alte Land flüchten – zu verschiedenen Zeiten, aus sehr verschiedenen Gründen.

Vera Eckhoff kommt als Flüchtlingskind aus Ostpreußen. Ihre Nichte Anne flüchtet gemeinsam mit ihrem Sohn Leon vor einer gescheiterten Beziehung aus Hamburg-Ottensen. Hansen erzählt die Geschichten der beiden Frauen auf dem Land und in der großen Stadt.

Vera Eckhoff lebt zusammen mit ihrem vom Krieg traumatisierten Stiefvater in dem altem Fachwerkhaus – zurückgezogen und nach all den Jahren immer noch irgendwie fremd im Dorf. Sie eckt an mit ihrem Verhalten, mit der Unangepasstheit. Anne wächst auf mit einer ehrgeizigen Mutter, deren Ansprüchen sie nicht genügen kann. Flüchtet vor einem vorgeplanten Leben in eine Tischlerlehre und in eine Beziehung mit einem Schriftsteller. Zwischen den Helikoptereltern aus Hamburg-Ottensen fühlt auch sie sich fremd und anders. Auf dem Land bei Vera kommt sie zur Ruhe, findet eine neue Aufgabe. Und in Veras Haus kommt Leben, Kinderlachen, Musik.

Hansen schreibt sehr unterhaltsam, manchmal melancholisch, oft sarkastisch. Alle Klischees – die vom idyllischen Landleben und die von den Hipster-Eltern in der Großstadt – werden bedient. Ich war noch nie im Alten Land. Aber ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren: was das Alte Land für Hamburg, das ist die Uckermark für Berlin. Und mit beidem fühle ich mich so vertraut. Mit dem Sehnsuchtsort Land, wo man Ruhe, Erfüllung und Glück beim Marmelade kochen findet. Aber den gibt es nur für die Großstädter, für die dort Lebenden ist es Arbeit, Alltag, manchmal Langeweile.

Gern gelesen habe ich Veras Geschichte. Die Gegenwart war mir etwas zu stark mit Klischees besetzt. Alles schon einmal gelesen, keine Überrraschungen. Aber insgesamt ein schönes Buch für ein Wochenende auf der Couch.

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