Gelesen: Marion Brasch: Lieber woanders


Literatur / Dienstag, Mai 21st, 2019

Werbung, unbeauftragt / Ende April besuchte ich eine Lesung von Marion Brasch. Sie las aus ihrem neusten Buch „Lieber woanders“. Marion Brasch ist nicht nur Schrifstellerin, sondern auch Moderatorin bei meinem Lieblingsradiosender. Sie hat eine ganz wunderbare Vorlesestimme und eine sehr unterhaltsame Art und Weise zu lesen. Natürlich habe ich mir das Buch sofort gekauft und auch signieren lassen.

Vor ein paar Jahren habe ich ihr Erstlingswerk „Ab jetzt ist Ruhe“ gelesen.  Darin schreibt sie über ihre berühmte Familie. Horst Brasch – ihr Vater – war stellvertretender Minister für Kultur der DDR. Ihre Brüder, allesamt Kulturschaffende, richteten sich jedoch gegen das politische System. In dem autobiografischen Roman geht sie ihrer Familiengeschichte nach dem Tod ihrer Eltern und Brüder auf den Grund.

„Lieber woanders“ ist Marion Braschs viertes Buch. Es geht um Zufälle, Schicksal, Schuld und Vergebung. Das scheint im Mai mein Thema zu sein. Denn schon in „Das schönste Paar“ ging es ja darum, wie mit Schuld umgegangen wird.

In „Lieber woanders“ erzählt Brasch von Toni und Alex. Sie beschreibt 24 Stunden vor einem Zusammentreffen der beiden. Durch Erinnerungen und Rückblenden erfährt der Leser mehr aus dem Leben der Protagonisten. Toni leidet unter dem Verlust ihres kleinen Bruders. Alex flüchtet von Zeit zu Zeit aus dem Familienalltag zu seiner Geliebten. Toni und Alex kennen sich nicht, aber das Schicksal hat sie schon einmal zusammengeführt. Oder war es doch der Zufall?

Was genau damals passiert ist, erfährt der Leser jedoch erst am Ende des Romans. Obwohl ich sehr schnell eine Vermutung hatte, warum sie zu einem bestimmten Zeitpunkt „Lieber woanders“ gewesen wären.

Alex beschäftigt sich gern mit Parallelwelten. Er ist überzeugt, „ in jedem steckt auch ein anderer. In jedem Tapferen ein Feigling, in jedem Zärtlichen ein Grobian, in jedem Ehrlichen ein Lügner, in jedem Guten ein Schlechter. Unser Paralleluniversum sind wir uns selbst, ob wir wollen oder nicht. Und überhaupt, die Sache mit dem Willen. Die Hirnforscher sagen, das Unterbewusstsein kenne unsere Entscheidung, bevor wir sie treffen.“ (Seite 124)

Auf ganz überraschende Art und Weise entscheidet dann auch am Ende des Romans wieder ein winziger Augenblick über das Leben der Protagonisten.

Mit moderner und salopper Sprache gelingt Marion Brasch ein unterhaltsamer Roman, der einen über die Zufälle des Lebens nachdenken lässt.

Marion Brasch: Lieber woanders, Fischer Verlag, ISBN 9783103974133

Marion Brasch Lieber Woanders
Dieses Bild kanst du auf Pinterest teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.