Gelesen: Lucy Fricke: Töchter


Literatur / Sonntag, September 1st, 2019

Sommerzeit – Urlaubszeit – Zeit zum Lesen. In den Sommerurlaub habe ich zwei Bücher mitgenommen. Eines handelt von einem Roadtrip nach Italien und das andere von einem Freibad. Hört sich doch sehr nach Urlaubslektüre an, oder?

Im Roman „Töchter“ von Lucy Fricke geht es jedoch nicht um einen entspannten Ausflug in südliche Gefilde, sondern um zwei Freundinnen, die dem totkranken Vater der einen mit der Reise an den Lago Maggiore einen letzten Wunsch erfüllen. Betty und Martha – beide um die 40 – werden beide in ihrer Kindheit vom Vater verlassen. Marthas Vater ist Alkoholiker, suchte aber im Alter wieder Kontakt zur Tochter und bat sie jetzt um diese letzte Reise. Betty musste mit den wechselnden Männern ihrer Mutter als Vaterersatz leben. Dabei gab es einen Guten – ein Posaunist aus Italien. Die plötzliche Trennung von ihm hat sie nie ganz verarbeitet.

Nachdem das erste Ziel erreicht ist – der Lago Maggiore, geht es also weiter zu einem weiteren – dem Grab des seit 10 Jahren verstorbenen Stiefvaters. Betty ist auf der Suche nach den Gründen für das Verlassen werden und für ihr Gefühl, der eigenen Unzulänglichkeit. Auf der Reise erfährt man einiges über das Leben der beiden Freundinnen. Meist trauriges, aber immer ironisch, mit einem gewissen Abstand erzählt, so dass es nie zu rührselig wird. Vollkommen unvorhersehbare Entwicklungen und Wendungen in der Handlung machen „Töchter“ von Lucy Fricke zu einem spannenden und durchaus humorvollem Stück Literatur.

Der 236 Seiten lange Roman ist zwar an ein/zwei Urlaubstagen gelesen, aber keine locker, leichte Urlaubslektüre. Die mitunter tragisch anmutende Geschichte ist mit viel Teifsinn erzählt und hinterlässt das eine oder andere feuchte Auge, manchmal vom Weinen, manchmal vom Lachen.

Lucy Fricke: Töchter, Rowohlt 2018, ISBN: 9783498020071

Auf das zweite Buch „Im Freiabd“ von Libby Page bin ich durch verschiedene Beiträge andere Blogger aufmerksam geworden. Über das Erstlingswerk der jungen Autorin schreibe ich im nächsten Beitrag.

Lucy Fricke
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