Gelesen: Katrin Seddig „Das Dorf“


Literatur / Sonntag, Januar 14th, 2018

Das erste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, war ein Weihnachtsgeschenk einer guten Freundin: Katrin Seddig „Das Dorf“. Der Buchrücken verspricht eine Geschichte über den heißen und langweiligen Sommer zweier Heranwachsender auf dem Land und einige Verwicklungen in der Welt der Erwachsenen um sie herum.
Ein Buch über einen heißen Sommer mitten im Winter – das hörte sich schonmal verlockend an. Tatsächlich ist es aber eine ziemlich düstere Sozialstudie der Dorfbewohner, die mich aber so in ihren Bann zog, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven der Dorfbewohner.
Da ist Jenny, das zwölfjährige Mädchen. Noch ganz unverdrossen und selbstbewusst träumt sie von einer besseren Zukunft außerhalb des Dorfs. Sie glaubt an ein positives Leben, nicht wie das ihrer Mutter, das ihr trostlos und lieblos vorkommt. Jenny freundet sich mit dem 17jährigen Maik an, der gerade erst mit seiner Mutter ins Dorf gezogen ist. Maik hat die Schule abgebrochen und weiß nichts mit seinem Leben anzufangen. Jenny, die sich langweilt, überredet ihn immer wieder zu Touren mit seinem Moped. Er schämt sich, dass eine Zwölfjährige seine einzige Freundin ist, lässt sich aber von ihrem kindlichen Enthusiasmus mitreißen.

Zur Dorfgemeinschaft gehören noch der Geschäftsmann Arno mit seiner Frau und den Kindern. Sie sind aus der Stadt aufs Land gezogen, um endlich wieder etwas Idylle in ihre Famillie zu bringen. Die alte Ingetraut, die das Dorfleben wie es mal war vermisst. Der Bauer, der eine Autorität im Dorf zu sein scheint und dessen Tochter, die geistig verwirrt ist und von allen nur „die Nackte“ genannt wird. Alle tragen sich mit Ängsten und Problemen, die sich im Verlauf der Handlung miteinander verbinden und ein bedrückendes Bild vom Leben zeichnen. Alles steuert auf einen Abgrund zu.

Aber am Ende haben die Schwachen wie die Starken, die Guten wie die Bösen eine Lehre gezogen. Sie schauen positiv in die Zukunft oder leben weiter den langweiligen Trott des heißen Sommers. Ich finde das Buch von Katrin Seddig „Das Dorf“ sehr lesenswert.

https://www.rowohlt.de/hardcover/katrin-seddig-das-dorf.html

Katrin Seddig "Das Dorf"
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2 Replies to “Gelesen: Katrin Seddig „Das Dorf“”

  1. Guter Buchtipp. Das klingt interessant. Speziell. Ich wüsste gern, wie es weiter geht. Was am Ende jeder dieser Charaktere mit nimmt. Steht geschrieben, was die Jugendlichen machen? Zieht es sie in eine Stadt? Ich hatte auch ein Leben über 18 Jahre auf dem Dorf in kleiner Gemeinschaft. Von fast jedem damaligen Anwohner können wir Kinder Gutes, Unangenehmes, Schönes oder Lustiges berichten. Ich liebte als Kind, mit den Augen eines Kindes, das Dorf. Als Erwachsener würde ich es heute trostlos und fremd empfinden, weil meine Eltern dort ihr Haus nicht mehr besitzen. Meine Eltern waren damals für gewisse Jahre unbeschwert. Ich habe sie aber auch sorgenvoll in Erinnerung. Ein Wegzug von dort öffnete andere Türen. Danke für den Einblick in dieses Thema Anja ?

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